Bahnhöfe Europs erzählen Geschichte(n)

Eine Serie von Wolfgang Bergmann, Martin Patek, Francisco Aguirre, Neilo Correale, 
9 x 30 Minuten

Doku-Serie von Wolfgang Bergmann, Martin Patek, Francisco Aguirre, Neilo Correale, 9 x 30 Minuten

Bahnhöfe sind Kathedralen der Technik, und der neue Gott hieß und heißt bis heute: Mobilität und Geschwindigkeit. Es begann in Frankreich mit dem Gare de l’Est und in Großbritannien mit dem Bahnhof Kings Cross. Einige Jahrzehnte später folgte Deutschland mit dem Leipziger Hauptbahnhof, dem größten Bahnhof Europas.

Die beliebte neunteilige Serie wurde mehrmals im Fernsehen ausgestrahlt und ist nun nur noch hier erhältlich. Die Bahnhöfe veranschaulichen mit Zeitzeugen und Archivmaterial die sichtbare Dynamik eines großen und offenen Europas nach der Öffnung der Grenzen zwischen West- und Osteuropa.

Hier die Titel mit den Links zu en einzelnen Streams:

1. Paris: Schnelle Züge machen Druck
2. London: Einsteigen nach Paris
3. Leipzig: Warten auf die Zukunft
4. Budapest: Kaiserin, Stalin, McDonald
5. Prag-Wien: Stationen der Vergangenheit
6. Istanbul: Stationen der Sehnsucht
7. Madrid: Atocha und Principe Pio
8. St. Petersburg
9. Mailand – Stazione Centrale

Teil 1 Paris: Schnelle Züge machen Druck
von Wolfgang Bergmann
Die Pariser Stadtbahnhöfe entstanden schon im 19. Jahrhundert als Kathedralen der Technik. Der neue Gott hieß und heißt Mobilität und Geschwindigkeit. Der heutige Hoch- geschwindigkeitszug „TGV“ erreicht in einer Stunde 300 km entfernte Orte.
Der Gare Montparnasse Bienvenue ist ein Versuch, einen architektonischen Ausdruck für die neue Geschwindigkeit zu finden: High Tech hinter Glas, Beton und künstlichen Gärten. Hier hält man sich nicht auf, oder verabredet sich mit Freunden. Hier ist der Bahnhof Bindeglied zwischen Nah- und Fernverkehr.
Der Gare de l’Est dagegen ist einer der charmanten „klassischen“ Bahnhöfe. Die Rosetten im Eingangsvestibül symbolisieren die Fenster des Straßburger Münsters. Das Entrée vermittelt dem Reisenden ein feierliches, erhabenes Gefühl. Der Gare de l’Est war Ausgangsbahnhof für den legendären Orient-Express, aber auch Schauplatz der Verabschiedung der Soldaten, die mit der Blume im Gewehrlauf in den ersten Weltkrieg zogen. Während des 2. Weltkrieges wurde der Betrieb des Bahnhofs von einem unterirdischen Bunkersystem geleitet, der bis heute – zur Erinnerung – funktionstüchtig gehalten wird.

Teil 2 London: Einsteigen nach Paris
von Wolfgang Bergmann
Der neugotische Bahnhof St. Pancras und der schlicht funktionale King’s Cross sind zwei extreme Beispiele für die 12 Kopfbahnhöfe Londons. Im November 2007 wird die Hochgeschwindigkeitsbahn des Kanaltunnels mit dem St. Pancras Terminal und London mit Kontinentaleuropa verbunden sein.
Gorden Biddle, ein versierter Eisenbahnfachmann erzählt detailliert von  der Geschichte der Bahnhöfe und der Veränderungen des Stadtteils durch sie. Ein jamaikanischer Heizer und Lokführer erinnert sich an die Zeiten des berühmten Zuges „Flying Scotsman“, der von King’s Cross aus nach Edinburgh fuhr. Er berichtet auch von dem Kuriosum vergangener Jahrzehnte, mit Dampflokomotiven und langen Güterzügen in die unterirdische Ringstrecke der Metro zu durchfahren. So war es damals möglich, den Nachteil eines Kopfbahnhofes wett zu machen und die Stadt mit einem Zug unterqueren zu können. Heute fährt die Untergrundbahn auf dieser Ringstrecke.

Teil 3  Leipzig: Warten auf die Zukunft
von Wolfgang Bergmann
Wer weiß schon, dass in Leipzig der größte Kopfbahnhof Europas steht. Kein Hallendach hat eine größere Spannbreite und überbaute Fläche. Dort wo früher vier Bahnhöfe nebeneinander standen und die Reisenden für jede Weiterfahrt umsteigen mussten, steht heute mit seinem  preußischen und sächsischen Flügeln der Hauptbahnhof. Leipzig rechnet sich als die Geburtsstadt des deutschen Eisenbahnwagons.
1837 wurde hier die erste Fernstrecke nach Dresden eröffnet und der Ökonom Friedrich List verfasste hier seine berühmte Schrift: ‚Ein sächsisches Eisenbahnsystem als Grundlage eines allgemeinen deutschen Eisenbahnsystems.‘

Teil 4 Budapest: Kaiserin, Stalin, McDonald
von Wolfgang Bergmann

Budapest ist wieder die klassische Mittlerrolle zwischen Osten und Westen zugefallen. Dies spiegelt sich auch in der Geschichte und Gegenwart der beiden großen Bahnhöfe Budapests.
Der Westbahnhof wurde von Gustave Eifel geplant, lange vor seinem weltweitem Ruhm. Er wurde mit viel Sorgfalt restauriert und erstrahlt jetzt wieder in seinem leichten französischen Charme. Die Eisenbahnlinie und der Bahnhof gehörten damals einer französischen Bank und der Bahnhof wurde in der Stadt als etwas Fremdes empfunden.
Fremd fühlten sich auch die sowjetischen Truppen, die 1956 geschickt wurden, das übermächtige Verlangen nach Demokratie zu unterdrücken. Der 82 jährige, ehemalige Stationsvorsteher des Bahnhofs berichtet von seiner Aktion, in der er im Kugelhagel des Kampfes, einigen Menschen das Leben rettete.

Teil 5 Prag – Wien: Stationen der Vergangenheit
von Martin Patek

Prag verfügt noch heute, im Gegensatz zu Wien, über eine Reihe alter Bahnhöfe. Die Bahnhöfe Prags und Wiens hatten den gleichen Ahnherrn, den letzten großen österreichischen Kaiser Franz-Joseph I.. Als der älteste Bahnhof in Prag gebaut wurde, musste man zwölf Durchbrüche in die feste Stadt- mauer schlagen, um die Schienen in die Stadt zu führen. Auf diesem Bahnhof ereignete sich in den letzten Wochen des 2. Weltkrieges eine dramatische Erschießung von Geiseln. Die deutsche Besatzungsarmee hatte Fahrgäste zur Unter- drückung eines Aufstands festgesetzt und exekutiert.

Als 1931 Charly Chaplin im Rahmen einer Europatournee für seinen Film „Lichter einer Großstadt“ auf dem Franz-Josephs Bahnhof in Wien ankam, da jubelten auch ihm tausende begeisterter Fans zu, in diesem Fall garantiert freiwillig. Damals war der Franz-Joseph Bahnhof ein schmuckes klassizistisches Gebäude. Heute ist er ein spiegelndes Bankgebäude. Die Österreichische Staatsbahn verkaufte den Bahnhof an ein Bankhaus, das den Bahnhofsbetrieb – wie bei einer Metrostation – in den Keller verlegte. Ein Teil der alten Wiener Bahnhofskultur ist allerdings erhalten geblieben: Die Anlagen der Wiener Stadtbahn. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Ringbahn angelegt, um die Kopfbahnhöfe miteinander zu verbinden. Die Gestaltung wurde dem berühmten Architekten Otto Wagner übertragen, einem der größten Vertreter der ‚Wiener Sezession‘. Die vielleicht schönste Bahnstation ist die am Karlsplatz. Nach der Restaurierung wandelte man sie in ein Kaffeehaus um.

Teil 6 Istanbul: Stationen der Sehnsucht
von Wolfgang Bergmann

Die Glanzzeiten der Bahnhöfe Istanbuls liegen weit zurück. Istanbul, Konstantinopel, war immer der geheimnisvolle Schnittpunkt zwischen Asien und Europa. In der „Belle Epoque“ kommen die Reisenden aus dem Westen nicht mehr mit dem Schiff, sondern mit dem luxuriösen „Orient-Express“ auf dem Sirkeçi Bahnhof an. Der letzte Sultan des osmanischen Reiches, Homid II. ließ ihn als Endstation des „Orient-Express“ bauen und eröffnete ihn am 1890 mit großem Pomp.

Teil 7 Madrid: Atocha und Principe Pio
von Francisco Aguirre

Mitten im Zentrum Madrids, an einem der schönsten Plätze, liegt der Bahnhof Atocha, umgeben von Museen und Gärten. Im April 1992 wurde ein neuer Bahnhofskomplex für Hoch- geschwindigkeitszüge fertig gestellt und mit dem restaurierten, alten Gebäude feierlich eingeweiht. Madrid hat wieder einen beeindruckenden Hauptbahnhof. Nicht weit entfernt vom Atocha liegt der Nordbahnhof, auch Principe Pio genannt: ein Bahnhof von regionaler Bedeutung aber mit einer großen Geschichte.
Der Film konzentriert sich auf den Bahnhof Atocha. Menschen, die in der Umgebung des Bahnhofs wohnen, erinnern sich an die Zeit der Dampflokomotiven und wie die Entwicklung des Eisenbahnwesens das Leben ihrer Vorfahren und den Stadtteil verändert haben.

Teil 8 St. Petersburg
von Wolfgang Bergmann

St. Petersburg, ehemals Leningrad, ist die älteste Eisenbahnmetropole Russlands, des Nordens überhaupt. Die Stadt ist reich an kunsthistorischen Attraktionen, Glanz der Vergangenheit und Verfall gehen bruchlos ineinander über. Die Bahnhöfe sind zu Problemzonen der Stadt geworden. Die Schattenseiten der neu gewonnenen Freiheiten und der Marktwirtschaft werden hier überdeutlich: Armut, Verelendung, Aggressionen, Diebstahl, Raub und Alkoholismus.
In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wurden in St. Petersburg die ersten Eisenbahnlinien und Bahnhöfe Russlands in Betrieb genommen. Von hier fuhr ab 1904 der legendäre Transsibirienexpress seine über 8000 km lange Strecke zum Pazifik. Der Film erzählt die Geschichte dreier Bahnhöfe, des Witebsker, des Finnländischen und des Moskauer Bahnhofs.

Teil 9 Mailand – Stazione Centrale
von Nello Correale

Die Stazione Centrale, der Hauptbahnhof von Mailand, ist eine perfekte Mischung aus Ingenieurskunst und Architektur. Er ist einer der letzten monumentalen Hallenbauten dieser Art in Europa und ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt. 450 Züge werden hier täglich abgefertigt. Der architektonische Plan war schon 1912 fertig gestellt, der Bau musste zunächst wegen des 1. Weltkrieges und später aus Geldmangel verschoben werden und wurde erst 1931 eingeweiht. Historische Fotos und Filme erinnern an die Zeit der Erbauung des Bahnhofs. Die riesigen mythologischen Skulpturen auf dem Dach zeugen noch heute von dem Glaubensbekenntnis seines Architekten, des Freimaurers Ulisse Stacchini.
Der Bahnhof wurde zum Treffpunkt für Immigranten aus dem Süden Italiens und aus den osteuropäischen Ländern. Viele Obdachlose und Arme suchten hier Unterschlupf und nächtliches Asyl. In ungenutzten und abgestellten Waggons haben sie ihr Quartier aufgeschlagen. Ein Priester, der auch eine kleine Kapelle im Bahnhof betreut, kümmert sich um sie.
Vielen ist die unterirdische Existenz des Bahnhofs unbekannt. Die weit verzweigten Gänge und Hallen boten während des 2.Weltkrieges vielen Menschen Schutz vor den Bombenangriffen. In dieser unterirdischen Stadt wird der Güterverkehr abgewickelt. Ein automatisiertes Postverteilungssystem schafft eine gespenstische Atmosphäre.

Schauen Sie zunächst den Trailer an. Anschließend können sie den Stream kaufen oder auf die Festplatte herunterladen.